Amore im Steinbruch St. Margarethen

Amore im Steinbruch St. Margarethen

11. Juli 2016 – Auf dem Felsen über der Bühne prangt in leuchtenden Lettern das Wort „Amore“. Unten tanzt eine Schar Partygäste Rock-’n’-Roll. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird geschäkert und geflirtet – bis Nemorino (Tamas Tarjanyi) auf den Fußboden knallt, die Stromgitarren für einen Moment verstummen und Orchester und Chor anheben. Am 6. Juli feierte Gaetano Donizettis Meisterwerk “Der Liebestrank” seine umjubelte Premiere im Steinbruch St. Margarethen. Donizettis komische Oper „Der Liebestrank“ gehört zu den Klassikern der Operngeschichte. Regisseur Philipp Himmelmann hat das Stück in einen überdimensionalen Wurlitzer irgendwo zwischen die 1950er und 1970er verlegt. Quelle: ORF.at

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Selbstbewusst wie ein Gangster-Rapper, gewandt wie ein Gebrauchtwagenhändler: Uwe Schenker-Primus brilliert als Dulcamara, schreibt Philipp Pfleger, ORF.at
Die Oper im Steinbruch wartete mit einer jungen internationalen Sängerbesetzung auf: Die Partie des Nemorino sang der junge ungarische Sänger Tamás Tarjányi mit Bravour. Ihm zur Seite begeisterte spielerisch wie gesanglich die spanische Sopranistin Elena Sancho Pereg als Adina. Perez wurde 2015 vom Fachmagazin „Opernwelt“ zur Nachwuchskünstlerin des Jahres gekürt. In den weiteren Rollen überzeugten vollends der ukrainische Bariton Andrei Bondarenko als Belcore, der zuletzt u. a. beim Glyndebourne Festival sowie an der Deutschen Oper Berlin in der Titelrolle von Tschaikowskis Eugen Onegin reüssierte, Uwe Schenker-Primus als Dulcamara sowie Esther Dierkes als Giannetta.

Qietschbuntes Spektakel

Die inszenatorische Frische tut der Oper gut, schreibt Rainer Elstner in der Wiener Zeitung. Nemorino ist ein schüchterner Teenie, der sich in die lebensfrohe Adina verknallt. Mit dem Auftritt Dulcamaras kommt es zum Clash der Epochen. In der Version des deutschen Opernregisseurs ist der Quacksalber ein Guru mit Hippie-Entourage, die mit 60er-Flower-Power die 50er-Petticoat-Idylle gehörig durcheinander bringt. Die kleine Rolle der Giannetta wird mit großer Bühnenpräsenz aufgewertet: Esther Dierkes spielt die heimliche Verehrerin Nemorinos mit umwerfender Komik. Die baskische Sopranistin Elena Sancho Pereg ist eine stimmlich wie darstellerisch agile Adina. Gespielt wird bis 19. August.

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Fotos: Armin Bardel, Andreas Tischler

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