Professionelle Projektkultur lohnt sich. Jetzt besonders!

Professionelle Projektkultur lohnt sich. Jetzt besonders!

Organisationen, die bereits vor Covid-19 ihre Projekte erfolgreich gemanagt haben, kommen besser durch die Krise. Warum ist das so? Brigitte Schaden, Präsidentin von Projekt Management Austria – pma, über die Bedeutung von Projektmanagement in Zeiten von Veränderungen.

Müssen Projektteams in Krisenzeiten anders gesteuert werden als im Normalbetrieb?

Brigitte Schaden: In Ausnahmesituationen sind Projektmanager*innen wichtige Akteure im Stakeholder- und Risikomanagement. Sie steuern nicht nur Projekte erfolgreich durch die Krise, sie sorgen auch für die notwendige Transparenz gegenüber Kunden, Lieferanten, Partnern und dem Management. Mit Fachwissen, Leadership-Erfahrung und hohen Social Skills konnten Projekt-Verantwortliche flexibel und dynamisch auf Veränderungen reagieren.

Brigitte Schaden_pma (c) Ludwig Schedl
Brigitte Schaden | pma (c) Ludwig Schedl
„Krisen zu bewältigen und sie als Chance zu begreifen, gehört zu unserem Leben. Privat genauso wie beruflich!“ 

Wie wichtig ist Projektmanagement in Hinblick auf Innovation?

Schaden: Innovation ist ohne Projektmanagement heute gar nicht möglich. Gerade der Bereich Forschung und Entwicklung braucht ein Umfeld, in dem man kreativ und frei denken kann. Hier profitiert man ungemein von Projektarbeit. Die Organisationsform Projekt unterstützt Innovation, weil man zusätzlich zur Linie eine temporäre Organisationsform zur Verfügung hat. Besonders in Krisenzeiten ist es wichtig, nach vorne zu schauen und innovativ zu sein. Wenn plötzlich das Geschäftsmodell wegbricht, können Methoden des Projektmanagements sehr hilfreich sein, weil sich mit Projekten schneller neue Produktideen umsetzen lassen.

Welche Skills sind im Projektmanagement besonders gefragt?

Schaden: Die Kompetenzen von Projektmanager*innen haben sich im Laufe der Jahre verändert. In den 70er und 80er Jahren ging es vor allem um technische Expertise. Später sind Soft-Skills hinzugenommen. Und heute braucht man Kontext-Kompetenzen, zum Beispiel im Umgang mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen. Generell kann man sagen, dass Projektmanager*innen gerne im Team arbeiten, mit Veränderungen sehr gut zurechtkommen und immer wieder etwas Neues machen wollen. Und nicht zuletzt zeigen sie Führungsqualität.

Brigitte Schaden, Präsidentin von Projekt Management Austria, Foto pma / Ludwig Schedl

„Projektmanager*innen können mit Unsicherheiten gut umgehen und zeigen dabei vor allem Leadership!“

Welchen Stellenwert haben pma/IPMA® Zertifikate?

Schaden: Einen sehr hohen! Je mehr in Projekten gearbeitet wird, desto höher ist der Stellenwert. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass Projektmanagement eine Schlüssel-Qualifikation ist, vergleichbar mit Business Englisch oder IT-Kenntnissen. Projektmanagement-Zertifizierungen schaffen hier ein gemeinsames Projektverständnis im Projektalltag. Daher wird auch in öffentlichen Ausschreibungen ein PM-Zertifikat immer mehr zu einem wichtigen Kriterium.

Können PM-Kompetenzen die Karriere fördern?

Schaden: Auf jeden Fall! Wer sich Kompetenzen im Projektmanagement aneignet, investiert in die eigene Zukunft und verbessert die Karriere-Chancen. Die Rollenbeziehungen in Unternehmen werden sich generell auflösen. Sogar im Rechtsbereich wird mehr und mehr in Projekten gearbeitet, denn auch hier steigt die Komplexität.

Werfen Sie noch einen Blick in die Zukunft. Was bleibt, was kommt?

Schaden: Was bleibt, ist ein großer Schritt in Richtung Digitalisierung, Stichwort Remote Work. Neue Technologien fanden rasch Einzug in den Projektalltag und wurden sehr gut genutzt. So konnten etwa Teammitglieder durch die Verwendung von Virtual Reality Anwendungen Informationen zum Projektstatus von verschiedenen Orten aus a live mitverfolgen. Die Krise führte auch zu einem Digitalisierungsschub bei der Team-Entwicklung. Meetings fanden in virtuellen Lounges statt, elektronische Flip charts und concept boards bewährten sich als neue Kollaborations-Tools. Was nach dem Home-Office-Marathon wieder zurückkommt, ist der persönliche Kontakt mit Kolleg*innen, Teammitgliedern und Kund*innen; und auch der Austausch bei der Kaffeemaschine oder bei einem After Work-Drink. Hier hat die Pandemie uns die Grenzen digitaler Zusammenarbeit aufgezeigt.

Auf der Website von pma geben Projektmanager*innen Einblicke in ihren Projektalltag.