Wellpappe: Solides Wachstum, aber extremer Kostendruck

Wellpappe: Solides Wachstum, aber extremer Kostendruck

Seit zwei Jahren ist die heimische Wellpappe-Industrie im Dauereinsatz: Erst die Pandemie, dann extreme Preissprünge bei Rohpapier, und aktuell die angespannte Lage am Energie- und Rohstoffmarkt. Die Nachfrage nach Wellpappe ist weiter ungebrochen. Über zwei Drittel aller in Österreich transportierten Waren werden in Wellpappe verpackt. Einen wesentlichen Anteil daran hat die gestiegene Nachfrage aus der Lebensmittel-, Getränke- und Konsumgüterindustrie (54 Prozent), gefolgt von Möbel, Elektronikteilen, Maschinen und Fahrzeugen (19 Prozent), sowie Logistik und Onlinehandel (12 Prozent).

Verschiedene Wellpappe Verpackungen (c) com_unit/L. Schedl

„Ohne Verpackungen aus Wellpappe wäre der moderne Warenverkehr heute nicht machbar“, sagt Stephan Kaar, Sprecher des Forum Wellpappe Austria.

Wellpappe ist gefragt, aber extremer Kostendruck. Pressegespräch des Forum Wellpappe Austria. Foto com_unit / L. Schedl

Produktion massiv unter Druck

Anhaltende Probleme mit den Lieferketten und Preissprünge bei Rohmaterialien bringen die Betriebe derzeit massiv unter Druck. So kam es seit Anfang des Jahres 2021 bei Rohpapier – dem wichtigsten Rohstoff für Wellpappe – zu Preissprüngen von bis zu 70 Prozent. Dazu kommen die extrem stark gestiegenen Preise für Strom, Gas, Logistik, Stärke, Farben und Paletten aufgrund der aktuell angespannten Lage am internationalen Energiemarkt. „Das verschärft den Preisdruck enorm. Wir sind gefordert wie nie zuvor, um die Versorgung mit Wellpappe-Verpackungen sicherzustellen,“  so Kaar. Aufgrund der laufenden Preiserhöhungen bei Rohstoffen gab es auch Anpassungen beim Wellpappe-Preis.

Stephan Kaar, Sprecher des Forum Wellpappe Austria (c) com_unit /L. Schedl

Wellpappe: 25 Mal im Kreislauf

Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit sind bei Konsument:innen und Unternehmen deutlich angekommen. Dies führt auch zu einer verstärkten Nachfrage nach Wellpappe. Verpackungen aus Wellpappe sind zu 100 Prozent faserbasiert und somit vollständig recycelbar. Das heißt, die Faser bleibt bis zu 25 Mal im Kreislauf – wie jüngst eine Studie der TU Graz bestätigt hat – und kann daher mehrmals zu neuer Wellpappe weiterverarbeitet werden. Wer sich für Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen entscheidet, schont die fossilen Ressourcen unserer Erde und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz.

Florian Döbl, Forum Wellpappe Austria (c) com_unit/L. Schedl

„Jobs in der Wellpappe-Branche sind derzeit sehr gefragt“, sagt Florian Döbl vom Forum Wellpappe Austria“

Lage der Beschäftigten: stabil

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist die heimische Wellpappe-Industrie ein stabiler und sicherer Arbeitgeber. Jobs in der Wellpappe-Branche sind derzeit gefragt. Denn mit der erhöhten Nachfrage nach Verpackungen steigt auch der Bedarf nach gut ausgebildeten Fachkräften. „Neben Positionen in der Entwicklung und Produktion werden auch Mitarbeiter:innen für Vertriebsaufgaben gesucht“, so Döbl. „Denn dort, wo es um Verkaufsverpackungen aus Wellpappe geht, spielt die Beratung eine immer größere Rolle.“ Insgesamt beschäftigt die Branche derzeit rund 1.900 Mitarbeiter:innen und bildet Jahr für Jahr 80 Lehrlinge in 14 Lehrberufen aus.

Florian Thalheimer, Sustainability Manager von IKEA Österreich (c) com_unit/L. Schedl

„Der Verzicht auf Kunststoff ist der nächste große Meilenstein auf unserem Weg, Verpackungen nachhaltiger zu machen. Wir setzen dabei  auf Papier und Wellpappe“, sagt Florian Thalheimer, Sustainability Manager IKEA Österreich.

IKEA verabschiedet sich bis 2028 von Kunststoff für Verkaufsverpackungen

Das schwedische Möbelunternehmen IKEA treibt die Entwicklung innovativer Verpackungslösungen voran: Bis spätestens 2028 soll gänzlich auf Kunststoffverpackungen verzichtet werden.  Seit Jahren setzt IKEA auch darauf, die Produkte möglichst klein und flach zu verpacken. Um der Umweltverschmutzung entgegenzuwirken, hat IKEA die Menge des Kunststoffs, der in Verpackungen zum Einsatz kommt, bereits deutlich reduziert: Schon heute sind weniger als zehn Prozent der gesamten jährlich verwendeten IKEA-Verpackungsmaterialien aus Kunststoff.  IKEA gibt jährlich mehr als eine Milliarde Euro für rund 920.000 Tonnen Verpackungsmaterial aus. Die Abkehr von Kunststoff in Verkaufsverpackungen wird die Entwicklung neuer Lösungen sowie die enge Zusammenarbeit mit Produktentwicklungsteams und IKEA-Lieferant:innen auf der ganzen Welt erfordern.